{"id":804,"date":"2016-06-11T14:19:01","date_gmt":"2016-06-11T12:19:01","guid":{"rendered":"http:\/\/theater-svlg.de\/?page_id=804"},"modified":"2016-06-11T15:18:04","modified_gmt":"2016-06-11T13:18:04","slug":"presse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/theater-svlg.de\/?page_id=804","title":{"rendered":"Presse"},"content":{"rendered":"<h2><strong>\u201eWas in uns hurt, l\u00fcgt, stiehlt, mordet\u201c<\/strong><\/h2>\n<h4><strong>Oberstufentheater des Schenk &#8211; von &#8211; Limpurg &#8211; Gymnasiums inszeniert \u201eWoyzeck frei nach Georg B\u00fcchner<\/strong><\/h4>\n<p><strong>Ein Fragment hat Georg B\u00fcchner mit seinem \u201eWoyzeck\u201c hinterlassen. Die Oberstufen &#8211; T<\/strong><strong>heater AG des Schenk &#8211; von &#8211; Limpurg &#8211; Gymnasiums hat daraus ein stimmiges und fesselndes Drama geformt.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eBin ich ein M\u00f6rder? Was gafft ihr so? Gafft euch selbst an!\u201c sind Woyzecks (Phillip Perus) letzte Worte an alle: die erstarrte Gemeinschaft auf der B\u00fchne, das Publikum, dann geht er ab. Vor uns liegt Marie (Susanne Erhardt), aufgebettet auf einem schwarzen Altar, hinter uns eine gewaltige Vorstellung dessen, wie ein Mensch in den v\u00f6lligen Wahnsinn getrieben wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_806\" aria-describedby=\"caption-attachment-806\" style=\"width: 479px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/theater-svlg.de\/wp-content\/uploads\/Presse.png\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-806\" src=\"https:\/\/theater-svlg.de\/wp-content\/uploads\/Presse-300x171.png\" alt=\"D\u00e9sir\u00e9e Mohn als Andres (I.) f\u00fcrchtet sich vor dem pl\u00f6tzlich halluzinierenden Philip Perus in der Rolle des Woyzeck.\" width=\"479\" height=\"273\" srcset=\"https:\/\/theater-svlg.de\/wp-content\/uploads\/Presse-300x171.png 300w, https:\/\/theater-svlg.de\/wp-content\/uploads\/Presse.png 609w\" sizes=\"(max-width: 479px) 100vw, 479px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-806\" class=\"wp-caption-text\">D\u00e9sir\u00e9e Mohn als Andres (I.) f\u00fcrchtet sich vor dem pl\u00f6tzlich halluzinierenden Philip Perus in der Rolle des Woyzeck.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Regisseur Thomas H\u00f6ll hat in seiner neuen Produktion am SvLG ein starkes Ende inszeiniert, das den Zuschauer packt und festh\u00e4lt. Der letzte Szenenapplaus ist zun\u00e4chst noch verhalten, dann feiert das Publikum lautstark das vierzehnk\u00f6pfige jugendliche Ensemble und die gelungene Premiere.<\/p>\n<p><strong>Best\u00fcrzende Wandlung vom Opfer zum T\u00e4ter<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage nach Woyzecks Motiv f\u00fcr die grauenvolle Tat stellt das Zentrum von B\u00fcchners Sozialdrama dar, der die junge Theatergruppe mit einem ausgepr\u00e4gten Gef\u00fchl f\u00fcreinander nachgeht. Franz Woyzeck ist ein guter Mensch, denn er k\u00fcmmert sich aufopfernd um seine illegitime Familie. Weil sein geringer Lohn nicht ausreicht, muss er Nebenverdienste einholen und sich selbst v\u00f6llig aufgeben.Der obligatorischen Frage nach der Anfangsszene des Dramenfragments ohne feste Reihenfolge begegnet Thomas H\u00f6ll ganz klassisch: Woyzeck und sein Kamerad Andres (D\u00e9sir\u00e9e Mohn) schneiden Weidenst\u00f6cke auf dem Feld, als Woyzeck bereits zum ersten Mal Halluzinationen hat. Phillip Perus als Franz Woyzeck geht in seiner Rolle voll auf und \u00fcberzeugt auf ganzer Strecke. Als Zuschauer leidet man gleicherma\u00dfen mit Woyzeck, wie man zutiefst best\u00fcrzt ist \u00fcber seine Wandlung vom Opfer zum T\u00e4ter. Dabei in seinem Leid nicht wahrgenommen wird er von seinem Freund Andres, den D\u00e9sir\u00e9e Mohn ganz im Sinne des Autors als eindimensionalen Charakter anlegt, der so im Kontrast zu Woyzeck stehen kann.<\/p>\n<p>Woyzeck wird zum Opfer der gewissenlosen Doktorin, f\u00fcr deren medizinischen Menschenexperimente er fortan nur noch Erbsen essen darf. Als Ergebnis der Versuche leidet er unter Wahnvorstellungen. Rebekka Lauer demonstriert mit schneidiger Mimik und Gestik und einem herabw\u00fcrdigenden Tonfall pedantisch die strenge Rolle der Akademikerin, die \u201evier Ehem\u00e4nner\u201c \u00fcberlebt hat und der selbst der Hauptmann im Diskurs klar unterlegen ist. Mit einem dicken Kost\u00fcmbauch gibt Stefanie Beuter einen sehr gem\u00fctlichen, abgestumpften Vorgesetzten Woyzecks.<\/p>\n<p>Susanne Erhard wandelt sicher auf dem schmalen Grat zwischen Treue und Liebesbegierde die die Rolle der Marie ausmachen. Das stellt sie in den spannungsgeladenen Szenen mit Phillip Perus und Leonardo Bellanova, durch den der Tambourmajor seine imponierende Gestalt erh\u00e4lt, eindrucksvoll unter Beweis. Mit letzterem l\u00e4sst sie sich einige Male auf sehr intime Momente ein, die dem St\u00fcck eine gewissen Reife verleihen.<\/p>\n<p>Erhard, Perus und Bellanova funktionieren spielerisch als Einheit fantastisch: Maries Beziehung zum gesellschaftlich h\u00f6her gestellten Tambourmajor vergr\u00f6\u00dfert sp\u00fcrbar die Distanz zu Woyzeck. Dem Mittelpunkt seines Lebens beraubt, bleibt ihm nichts weiter als die schiere Verzweiflung, in der ihm schlie\u00dflich unbekannte Stimmen befehlen Marie zu t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Pointiert schlie\u00dfen alle Szenen mit einem Blck &#8211; Out ab und werden in den \u00dcberg\u00e4ngen von Vincent Eissing &#8211; Boyny am Fl\u00fcgel musikalisch reflektiert. Das harmoniert zum einen gut mit dem fragmentarischen Aufbau von B\u00fcchners unvollendeten Drama, zum anderen entwickelt sich daraus aber auch eine gleichbleibende Routine, die teilweise das Spieltempo bremst.<\/p>\n<p>Zwischendurch beschwingen effektvolle Show- und Stunteinlagen allen voran von Steven Perus die bezwingend d\u00fcstere Szenen. Einmal tritt er gemeinsam mit zwei Marktschreiern (Vera Steigerwald und Lena Kronm\u00fcller) auf, ein anderes Mal geh\u00f6rt er einem Trio Betrunkener an, die angeheitert \u00fcber die B\u00fchne st\u00fcrzen. Beides lockert die Trag\u00f6die ein wenig auf und kommt beim Publikum gut an.<\/p>\n<p><strong>Unkonventionelles B\u00fchnendesign, klassische Kost\u00fcme<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild, welches vom Literaturkurs entworfen wurde, ist schlicht gehalten. Schwarz und Wei\u00df dominieren das Bild. In der Mitte der B\u00fchne ruht ein schwarzer, ungeschm\u00fcckter Altar, der so karg und steril wirkt wie ein Operationstisch oder ein Totenbett, wozu er letztlich auch wird. Von oben herab scheint symbolhaft f\u00fcr die Lust und Sexualtit\u00e4t des St\u00fccks ein \u00fcbergro\u00dfer, roter Kussmund. Links und rechts er\u00f6ffnen zwei gewinkelte, schwarz und wei\u00df kontrastierte und beschriebene Stellw\u00e4nde Spielr\u00e4ume f\u00fcr die Akteure &#8211; hier erscheint beispielsweise einmal, nur von einem Spot beleuchtet, Maries verf\u00fchrerisches Bein, bevor sie auf die B\u00fchne tritt.<\/p>\n<p>Das unkonventionelle B\u00fchnendesign trifft auf relativ klassische Kost\u00fcme, was die Ambivalenz, die sich \u00fcberall im St\u00fcck finden l\u00e4sst, illustriert. W\u00e4hrend man Woyzeckvon au\u00dfen betrachtet leicht als Psychopaten abtun k\u00f6nnte, besch\u00e4ftigt sich die Inszenierung des Oberstufentheaters mit dem Individuum und l\u00e4sst seine Reaktion auf den ihn umgebenden Irrsinn als angemessen erscheinen. Weitere Darsteller: Magdalena Knupfer, Lea H\u00fcbner, Philipp Noller, Laura Bader, Eva Walch.<\/p>\n<p>von Johannes Mohn Gaildorfer<br \/>\nMit freundlicher Genehmigung der <a href=\"http:\/\/swp.de\/Gaildorf\">Rundschau<\/a> vom 25. Oktober 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas in uns hurt, l\u00fcgt, stiehlt, mordet\u201c Oberstufentheater des Schenk &#8211; von &#8211; Limpurg &#8211; Gymnasiums inszeniert \u201eWoyzeck frei nach Georg B\u00fcchner Ein Fragment hat Georg B\u00fcchner mit seinem \u201eWoyzeck\u201c hinterlassen. 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