{"id":882,"date":"2016-08-12T18:40:28","date_gmt":"2016-08-12T16:40:28","guid":{"rendered":"http:\/\/theater-svlg.de\/?page_id=882"},"modified":"2016-08-24T16:04:33","modified_gmt":"2016-08-24T14:04:33","slug":"presse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/theater-svlg.de\/?page_id=882","title":{"rendered":"Presse"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Nichts ist, wie es scheint<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Thomas H\u00fcrlimanns \u201eLied der Heimat\u201c mit aufreizenden Untert\u00f6nen<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Wer auch immer bei der Qual der Vorauswahl sich schlie\u00dflich in H\u00fcrlimanns Theaterst\u00fcck verfing: \u201eDas Lied der Heimat\u201c entpuppte sich bei der Premiere der Theater AG als grotesker Zerrspiegel f\u00fcr die Zuschauer und gro\u00dfartiger Rummelplatz f\u00fcr vergn\u00fcgungss\u00fcchtige Spieler. <\/strong><\/h3>\n<p><strong>RAINER KOLLMER\u00a0<\/strong><br \/>\nDer Schweizer Thomas H\u00fcrlimann brachte sein \u201eLied der Heimat\u201c vor acht Jahren eher beil\u00e4ufig an die \u00d6ffentlichkeit. Das geschah nicht grundlos. Schon damals wussten wir mit der ausgefransten Heimatschablone nichts mehr Gescheites anzufangen. In jenen Jahren machte auch Filmemacher Edgar Reitz mit seinem Heimat-Epos klar, dass wir die Idee nur noch als B\u00fcckware in den unteren Regalen finden &#8211; kaum jemand m\u00f6chte den verstaubten Ladenh\u00fcter wirklich haben. Und bei dem Wort Kom\u00f6die dachten wir vor einem Jahrzehnt auch schon \u00e4hnlich: an m\u00fcde Mundartstadel, in denen der Held am Ende des zweiten Akts in Unterhosen erwischt und irgendwann doch noch alles gut wird.<\/p>\n<p>Aber nicht immer ist in der Verpackung auch drin, was au\u00dfen drauf steht. H\u00fcrlimann bastelte aus vier skurrilen Einzelgeschichten eine atemberaubende Mischung von grimmiger Situationskomik und verschmitzter Nachdenklichkeit.<\/p>\n<p>Da muss sich der m\u00fcde 70-j\u00e4hrige Gottfried Keller (Frederik Amann) auf Gehei\u00df des Obers (Ellen Schober) selbst auf die Leiter bem\u00fchen, um den zugestaubten Pathos seiner Sprache zu beweisen, w\u00e4hrend im Vordergrund ein gr\u00fcn-wei\u00df-rot schwarzes Gl\u00fcckskleeblatt von aufgeregten Damen fl\u00fcgelschlagend um den wei\u00dfen Amor mit seinem gewaltigen Pfeil und Bogen flattert und sich keinen Deut um den lustlosen Keller schert.<\/p>\n<p>Was soll&#8217;s aber auch &#8211; Heimat ist immer das, was man selbst daraus macht. So wird in der zweiten Szene der anfangs bedr\u00fcckende Dialog zwischen Sturmbannf\u00fchrer Indergand (Martin Cybulski) und Olga (Katharina Burbach) unversehens absurd, wenn die Polin schlie\u00dflich einwilligt, ein deutsches Volkslied zu komponieren.<\/p>\n<p>Die von H\u00fcrlimann 1992 ver\u00f6ffentlichten \u201eGeschichten aus der Satellitenstadt\u201c tauchen die Heimat schlie\u00dflich in der dritten Szene ins hochprozentige S\u00e4urebad.<\/p>\n<p>Drei wechselnde Paarbeziehungen erinnern stark an den Standard der Boulevardkom\u00f6die, entlarven aber auf doppelt schreckliche Weise, auf welchem Treibsand der Heimatgedanke steht: Die vermeintliche Einmaligkeit der heimatlichen Wohnung verlottert als unendlich geklonte Serie, das Unikat der menschlichen Zweierbeziehung verliert sich im isolierenden Nebel einer hoffnungslosen Erkenntnis von Heimatlosigkeit, wenn Iris und Peter am Ende schlussfolgern: \u201eWir sind es, wir m\u00fcssen es sein\u201c.<\/p>\n<p>Mit dem ausgezeichnet zusammengestellten Sixpack (Anja Beuter, Alexander Drobny, Niklas Heer, Manuel Jahn, Svenja Matthes, Jule Vorholzer) und einer genial einfachen Ausstattung gelang Regisseur Thomas H\u00f6ll ein Meisterst\u00fcck. Das Wesentliche wurde auf ein beeindruckendes Minimum eingedampft. Die Wirkung war enorm.<br \/>\n<strong>Heimat-Pop vom Balkon<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der verschiedenfarbigen Einzelflicken blieb die Inszenierung ein \u00fcbersichtlicher und sehr kompakter Teppich ohne unangenehm sichtbare N\u00e4hte. Zum einen hatte H\u00fcrlimann daf\u00fcr gesorgt, dass der zu Unrecht als Komponist gefeierte Indergand zusammen mit Olgas Tochter in der vierten Szene nochmals auftaucht &#8211; an der Lebensl\u00fcge des ehemaligen Nazis im Umgang mit der Heimat scheiden (sich) die Geister. Zum anderen warf das stets auf dem Balkon pr\u00e4sente \u00dcber-Ich seinen Heimat-Pop (\u201eGaildorf, ja das sind wir\u201c, \u201eWir machen uns die Heimat so, wie wir sie wollen, hau ruck!\u201c) als bitterb\u00f6sen musikalischen Kommentar (verantwortlich: Bernd Scheiderer) zwischen die begeisterten Zuh\u00f6rer hinab &#8211; von den neun Sieben Zwergen (aus dem nahen Kohlwald?), die wiederholt \u00fcber die B\u00fchne huschten, ganz zu schweigen. Heimat ist wirklich \u00fcberall und nirgends, so scheint\u2019s.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Mit freundlicher Genehmigung der Gaildorfer <a href=\"http:\/\/www.swp.de\/Gaildorf\">Rundschau<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichts ist, wie es scheint Thomas H\u00fcrlimanns \u201eLied der Heimat\u201c mit aufreizenden Untert\u00f6nen Wer auch immer bei der Qual der Vorauswahl sich schlie\u00dflich in H\u00fcrlimanns Theaterst\u00fcck verfing: \u201eDas Lied der Heimat\u201c entpuppte sich bei der Premiere der Theater AG als grotesker Zerrspiegel f\u00fcr die Zuschauer und gro\u00dfartiger Rummelplatz f\u00fcr vergn\u00fcgungss\u00fcchtige Spieler. 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