Hysterikon

Die Welt als Supermarkt. Spaghetti für 1,99, Spülschwämmchen im Sonderangebot und die Suche nach einem Leben mit zehn Prozent mehr Inhalt. Links im Regal Tomaten, die bezahlen Sie bar. Karrieren finden sie weiter oben, zwischen Intrige und Verrat. Indische Räucherstäbchen gleich bei den Menopausen. Unten die sogenannte Bückware. Je tiefer, desto billiger. Hält das Rückgrat biegsam. Wieviel haben sie noch auf dem Konto? Reichts noch für die große Liebe, oder besser doch das blonde Sonderangebot? Wie läuft ihre Beziehung? Mehr auf ihre Kosten, mehr auf seine? Wer zahlt drauf? Der Kassierer zuckt mit den Achseln und kassiert. Abgerechnet wird am Schluß. Greifen Sie zu! Denn für jede verpaßte Gelegenheit gibts eine Abbuchung von der LifeCard. Eine fulminante Revue aus dem satten Konsumentenleben!

In den Osterferien 2019 hatte unsere Theater AG die Gelegenheit Ausschnitte  von „Hysterikon“ beim Internationalen Jugendtheaterfestival zu präsentieren. Georg Kistner, langjähriger Dramaturg der Freilichtspiele Schwäbisch urteilte über die Inszenierung: „Kurz, aber sehr, sehr lustig.“ Auch die Theaterkritikerin des Haller Tagblatts zeigte sich begeistert: „Die Schüler der Theater-AG imitieren mit leeren Joghurtbechern und weiteren Verpackungen, die sie auf Würfelpyramiden angeordnet haben, einen Supermarkt. Darin stoßen die spielfreudigen Schüler des Schenk-­­­von-Limpurg-Gymnasi­ums auf die Probleme des täglichen Lebens. Allen voran die Sorge, mit der sich die Generation der Jugendlichen in unserer Zeit besonders konfrontiert sieht: Entscheidungen zu treffen. 

Soll Sie den Himbeerjoghurt nehmen, den sie als Kind so gerne aß, oder den mit Ingwer-Masala, der ihr von der Verkäuferin empfohlen wird, oder Zitrone wegen den Vitaminen? Es ist zum Verzweifeln – und das kauft man der jungen Schauspielerin (Hanna Rebel) ab. 

Die Entscheidungsunfreudige greift in einer der nächsten Szenen einem Impuls folgend zu. Aber nicht beim Joghurt , sondern bei einem Mann (Pascal Bugdol). Dieser ebenfalls spontan vom Blitz getroffen, verlässt umgehend seine Freundin (Noelle Schuchardt), die mit einem beeindruckenden Kreischanfall ihren Gefühlen freien Lauf lässt und aus Verzweiflung Chips in den mühevoll sexy geformten Körper stopft.“

In einer anderen Szene bedrängt eine scheinbar hilfsbereite Dame, überkandidelt interpretiert von Elisabeth Hossbach, ein junges Mädchen. Da dieses dunkelhäutig ist, scheint es ein geeignetes Objekt für die eigene Wohltätigkeit. Dass die junge Dame, engagiert gespielt von Dunja Mohamed Moussa, gar keiner Hilfe bedarf, perfekt die deutsche Sprache spricht, da sie in Deutschland geboren ist, wird ignoriert. Es bleibt für die arme Studentin nur die Flucht vor so vielen Hilfsangeboten…

Die Verbindung zwischen den einzelnen Spielszenen wird durch ein kongeniales Quartett von Verkäuferinnen (Sarah Hünefeld, Dunja Mohamed Moussa, Evelyn Abischew und Jasmin Greinert) hergestellt. Diese führen in die Problematik des Stückes ein, kommentieren Handlungen, stoßen Prozesse an oder ignorieren ihre Kunden. Dabei haben sie noch genügend Zeit sich untereinander einen heftigen Zickenkrieg zu führen.

Was sich hinter der „Ferrarikaffekanne“ verbirgt, ob die Liebende sich ansprechen, was es mit dem Nutella Glas auf sich hat, ob man sein Leben einfach so zurückgeben kann und ein besseres dafür erhält und ob die Sonderangebote halten, was sie versprechen – all das und noch viel mehr erfahren sie bei den Aufführungen der Theater AG.

Natürlich ist auch in diesem Jahr unsere phantastische Theaterband „Kirglgschroi“ wieder dabei und wird das Atrium stilgemäß rocken.

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